Digitalisierung und Technologie strategisch nutzen

Digitale Strategie: Was muss der Mittelstand tun?

Das Gesamtkonzept

Eine effektive, digitale Strategie ist als unternehmerisches Gesamtkonzept zu betrachten, das nur bedingt etwas mit IT zu tun hat. Gerade als Mittelständler dürfen Sie dabei berechtigt fragen, was die Aufforderung zu mehr Digitalisierung eigentlich bedeuten soll: Denken Sie nicht ohnehin laufend über zeitgemäßes Arbeiten nach? Schaffen Sie sich nicht sowieso schon Hard- und Software an? Müssen Sie sich wirklich darüber belehren lassen, über Ihre Investitionen nachzudenken? Was denn noch?

Mehr als Technik: Aufgaben einer digitalen Strategie

Zwar wird in den Unternehmen nicht immer so genau erörtert, warum ein neues Stück Technologie eingesetzt werden soll und ob es nachhaltig und nützlich ist – Verzeihen Sie mir die süffisante Bemerkung – Mein Anliegen ist jedoch dies: Jeder weiß, dass sich die Vernetzung inzwischen direkt auf Märkte, Kunden, Produkte und Innovationen auswirkt – und das in einem Ausmaß, dass es nicht mehr nur darum geht, punktuell Aufgaben durch Technik lösen zu lassen. Vielmehr brauchen wir genauso vernetzte Antworten, um auf die Einflüsse von außen reagieren zu können. Jedes Unternehmen braucht eine Strategie, die auch zukünftig Erfolg sicherstellt; die wettbewerbsfähig bleiben lässt; die dem hohen Innovationstempo der Märkte standhält. DAS ist eine digitale Strategie.

Herausforderungen in dynamischen Nachfragemärkten

Wir bewegen uns heute in Nachfragemärkten von so hoher Dynamik, dass Märkte blitzschnell entstehen, alte Märkte von innen nach außen gestülpt werden (disruptive Märkte) und Traditionsfirmen aus Mangel an Marktnähe, Flexibilität und fehlender Innovation plötzlich verschwinden. Wissen Sie noch, wer Kodak, Quelle, Neckermann, Agfa, StudiVZ oder Nokia waren? Die Liste lässt sich fortsetzen. Goodbye Anbieterdominanz.

Wer annimmt, seinem Unternehmen könne das nicht passieren, verschließt die Augen: Wer hätte gedacht, dass der weltweit größte Anbieter von Übernachtungsmöglichkeiten keine einzige Immobilie besitzt (AirBnB)? Wer hätte sich vorstellen können, dass die größte Plattform für mediale Inhalte keinen einzigen Inhalt selbst herstellt (facebook)? Auch Taxifahrer hätten sich nicht träumen lassen, dass sie bei einem individuellen Transport von A nach B von einer App aus dem Wettbewerb gedrängt werden könnten. Und das ist noch nicht alles. Die letzten Jahre und Jahrzehnte waren erst die Vorbereitung. Die Wegmarken: eCommerce, Cloud, Big Data und die zunehmende Nutzung der mobilen Geräte.

Strategie: beginnt so ganz analog

Zurück zur digitalen Strategie. Meine Frage an Sie ist: Sind Sie vernetzt? Wissen Sie, welche Kanäle die wichtigen für Sie sind, und sind Sie dort aktiv? Kennen Sie Ihre Kunden und beobachten die Märkte?

Wie sind Ihre Service- und Reaktionszeiten? Ist eine kleine, gestern in China gegründete Firma vielleicht besser? Und weiß Ihr Kunde eventuell morgen schon davon? Können Sie schnell genug Ihre Produktion umstellen und sind Sie einem möglichen Shitstorm gewachsen?

Hinzu kommen die internen Prozesse in einem modern aufgestellten Unternehmen: Wie motiviert und innovativ ist Ihre Belegschaft? Auch das ist Teil einer digitalen Strategie. Egal wie sie heißt. Haben Sie genug Ideen für Ihren Plan „D“ – Ihre digitale Response to Everything?

Die Aufgabe ist anspruchsvoll, doch lassen Sie sich nicht von der Abteilung Technik verrückt machen: Wahr ist, dass die Märkte, die Kommunikation und häufig die Arbeitsmittel digital sind. Jedoch entsteht jede Strategie im Kopf und findet durch den Menschen Anwendung. Ganz analog.

Vorsicht: Komfortzone!

Der Mensch wiegt sich gerne in Sicherheit. Auch an die Rente haben wir ja lange geglaubt. Glauben wollen. Doch wie sieht es heute aus? Wenn in Ihrem Unternehmen die Gehälter sicher sind, sind sie es morgen auch noch?

Wissen siegt. Wahrscheinlich haben Sie sogar die nötigen Instrumente schon im Haus wie ein Customer Relationship Management (CRM). Es ist eines der Tools, das in vielen Unternehmen als tolle Datenbank genutzt wird, aber dessen Sinn aus dem Fokus geraten ist: nämlich den, die Kunden zu kennen. Wie nahe sind Sie an Ihrem Kunden tatsächlich dran? Daten sind heute Grundlage allen Agierens und sie entstehen größtenteils digital. So sollten sie auch ausgewertet werden.

Fazit

Die Notwendigkeit, das Unternehmen kritisch zu betrachten, bleibt unbenommen. Es fängt an der Unternehmensspitze an. Alte Denkweisen wollen überprüft und modernisiert werden.

Im Gegensatz zu dem was uns ein weiterer Hype-Begriff „Industrie 4.0“ vermitteln will, geht es aber nicht nur um Maschinen. Es geht um die gesamte Organisation. Ansonsten hätten Dienstleister ja keine Herausforderungen die aus der Digitalisierung entstehen. Wie Sie gesehen haben, ist dem aber nicht so. In welcher Art IT-Projekt das münden kann – das wird sich dann zeigen. Es wird auf jeden Fall nicht nur um Hardware oder Software gehen.

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